Chronik
Niederschrift
Es war Ende
der 20-er Jahre, als die Geburtsstunde des Faschings in Geisenhausen
schlug. Nach vorliegenden Aufzeichnungen war es am Rosenmontag
des Jahres 1929, als auf dem Marktplatz ein mit Dampfkesseln beheiztes
Circuszelt aufgestellt und ein Faschingsmarkt mit Gauklern, Tanzbären,
Seiltänzern, Wahrsagern, eine Tierschau und sogar eine öffentliche
Hinrichtung abgehalten wurde. Trotz klirrender Kälte von
minus 30 Grad kamen die Zuschauer in Scharen und halfen somit
dem Fasching aus den Geburtswehen. Unsere älteren Mitbürger,
die damals Kinder waren, erinnern sich bestimmt noch an das große
Ereignis, an den damals sonst tristen Wintertagen, unter der Regie
von Jakob und Martin Zeiler. Erst bei den Vorbereitungen zum Fasching
1938 waren es die Bürger Georg Bachhuber und Fritz Dräxlmeier,
die aus einigen Überlegungen heraus den Schlachtruf "TOLLEMOGEI
(toller Montag Geisenhausen) formulierten und somit zugleich der
Faschingsgesellschaft den Vereinsnamen gaben. Bis heute ist dieser
Ausruf Tollemogei im Fasching nicht mehr wegzudenken
und Tausende von Faschingsbegeisterten, ja sogar auch Faschingsmuffel,
lassen diesen Ruf in der fünften Jahreszeit über ihre
Lippen kommen.
1938 bestiegen auch die ersten närrischen Hoheiten mit Prinz
Josef I von Prößanta (Josef Prößl) und Gretilia
I von Mäxldreier ( Gretl Drexlmeier) den Thron. Beide trugen
prächtige Staatsgewänder und der Hofstaat mit Gefolge,
sowie eine attraktive Garde standen dem allen nicht nach. Ein
"Geisenhausener Zeppelin wurde nach dem großen
Umzug am Rosenmontag gestartet und der Narrenball war ein weiterer
Höhepunkt. Die sich anbahnenden Kriegsjahre legten leider
auch die närrische Zeit im Tollemogeistaat lahm. Erst am
12. Januar 1955 konnten sich die Jungschützen in ihrem Herbergslokal,
der Kellerwirtschaft in der Kirchstrasse, dazu entschließen,
den Fasching in Geisenhausen wieder aufleben zu lassen. Kurzerhand
wurde der Alldog von Roland Müller in einen Faschingswagen
umfunktioniert und in Begleitung einer Faschingskapelle fuhr man
am Rosenmontag durch die Strassen des Ortes und brachte Faschingsstimmung
unter die Zuschauer. Bald darauf konnte das Faschingskomitee Albert
Gaßner, von allen nur Gidi genannt, zu ihrem
ersten Präsidenten wählen. Unter seiner Regie blühte
der Fasching in Geisenhausen so richtig auf und viele kleine und
große Veranstaltungen hatten in den 50-er und 60-er Jahren
seine Handschrift. 1956 fand der erste Umzug nach Kriegsende mit
dem Motto: Wiederaufrüstung statt. Das DIXI-Auto
wurde für 240,-- DM gekauft und ist heute noch als Präsidentenkarosse
im Einsatz. Der Rosenmontag 1957 hatte das Thema: Windstärke
15 und der Rosenmontagszug war einer der schönsten
im weiten Umkreis. Oktoberfest im Tollemogeistaat
war bereits ein Jahr darauf angesagt und bunte Faschingsabende
mit der Kapelle Oßner und den Moritatensängern Gretl
(Drexlmeier) und Tine (Pollner) waren ebenso gut besucht wie sämtliche
Wirtshäuser, die man auf die Namen bekannter Brauereien umbenannte.
Vor tausenden von Zuschauern startete man auf dem Sportplatz den
von Heini Thoma konstruierten Sputnik. 1958 war es
auch, als die Faschingsgemeinden Schwanthaler, Bettlhöher,
zur Schwemm und zum scharfen Eck ins Leben
gerufen wurden. Schützen-, Turner- und andere Vereinsbälle
gaben in diesen Jahren viel Gesprächsstoff her. Die Tanzkapelle
Optimisten, aber auch Gustl Lax, der exzellente Quetschenspieler
in den schmusigen Bars, sorgten für eine Superstimmung auf
den Tanzabenden. Erinnern werden sich noch viele an die Präsidentengarde
1960 und an den Skifasching am Ritzerbuckl 2 Jahre
danach. Das erste Nachkriegsprinzenpaar wurde 1964 mit Renate
Neumeier und Heinz Saalmüller proklamiert. Enja Niermann
hatte die Federführung für Garde und Elferrat übernommen.
Ebenfalls unter ihrer Regie wurden die 3 Kinderprinzenpaare 1964/
1965 und 1968 mit großem Eifer für die Auftritte trainiert.
Die Bauernhochzeit 1966 - als Brautpaar grüßten Josef
Gierster und Sepp Zettl war ein so großer Erfolg,
daß man diese nach 20 Jahren (1986) mit Hans Neumeier als
Bräutigam und Toni Pollner als Braut einem großen Publikum
nochmals präsentierte. Alles für den Swimming-Pool
war das Thema im Fasching 1967 und Bernd I von Uhranien (Bernd
Grünberger) und Gabi I von der Kornburg (Gabi Schropp) schwangen
das Zepter. In den 60-er Jahren mußte die Tollemogei
auch herbe Verluste ihrer Gründungsmitglieder hinnehmen.
1964 verstarb 2. Präsident Norbert Klammer, 1968 Wolfram
Dettenhofer und im Dezember des gleichen Jahres schloß 1.
Präsident Albert Gaßner seine Augen für immer.
In den nachfolgenden Jahren übernahmen Bernd Grünberger,
Erwin Folger, Toni Pollner und Martin Sedlmeier die Präsidentenposten.
Von 1987 bis zur Neuwahl 1999 hatte Georg Eller mit Stellvertreter
Wolfgang Grünberger die volle Verantwortung in Händen
und nun sind Stefan Finkenzeller und Klaus Obermeier als Vize
für den rührigen Verein zuständig. Große
Themen waren immer ein Zugpferd bei der Faschingsgesellschaft,
um Menschenmassen auf die Beine zu bringen und die Tanzsäle
in der Faschingszeit zu füllen. Zigeunerfasching 1970 mit
dem Herrscherpaar Uschi Mühlbauer und Gerd Dohnke, die Nacholympischen
Krämpfe 1973 und das Königreich 1976 mit
Schlauch I von der Lätschenburg (Ernst Eder)
waren schöne und unvergessene Veranstaltungen. Aber auch
weitere Prinzenpaare, Garden und Elferräte standen dem Verein
zur Verfügung und gaben in der jeweiligen Session ihr Bestes.
Zu 50 Jahre Tollemogei im Jahre 1979 residierten Ihre
Lieblichkeit von Stich und Nadel (Marianne Maierhofer)
und Anton I von Textilonien (Anton Pollner). 1984
konnten Sylvia Hanke als Sylvia I von der Hankeburg
und Andreas Oberloher als Andreas I von der Hochburg
inthronisiert werden. 1989 traten ihre Tolletäten Christine
I von der Kracherlburg (Christine Zehetbauer) und Andreas
II von Immobilien (Andreas Eller) die Regentschaft an. Als
die größte Schau der Welt erlebten die
Akteure und Zuschauer einen Höhepunkt nach dem anderen. Das
Prinzenpaar 1992 hieß Rupp I von Dixiland
(Ruppert Grünberger) und Uli I von Aspirinien
( Ulrike Brandlmeier). Unter dem Motto: Eine Reise um die
Welt wurden musikalisch und tänzerisch die fünf
Erdteile besucht und Beifallsstürme waren der Lohn für
die Aktiven . Am 11. 11. 94 wurde das 8. Nachkriegsprinzenpaar
mit Tom I von der Kramerburg (Thomas Maulberger) und
Manuela I von Taubenstein (Manuela Brams) auf den
Thron gehoben. Dschungelfieber im Tollemogeistaat
hieß es in diesem Jahr und entsprechend fiel auch die Saaldekoration
aus. Palmen, Grünpflanzen und Dschungeltiere zierten den
Genossenschaftssaal und ein Einzug auf einem Elefanten brachte
das Publikum nur noch zum Staunen. Für die Saison 97/98 hatten
die Verantwortlichen Tollemogei im Märchenland
als Grundidee ausgegeben und Eisprinzessin Sandra I
(Sandra Thoma) und Tom II von Diri-Dari erhielten
von Bürgermeister Kammerer die Schlüssel überreicht.
In dieser Saison verstarb unerwartet Ehrenpräsident Erwin
Folger, der sich über viele Jahrzehnte um die Tollemogei
in den verschiedensten Positionen verdient gemacht hat. Erinnert
sei auch an Max Reiser, der viele Jahre als Berichterstatter der
Tollemogei über alle Veranstaltungen für
die Presse geschrieben hatte und im November 1996 dieser Welt
für immer ade sagte. Es gäbe noch sehr viel zu erzählen
über die div. Männerbalette, Bunten Abende, Faschingsmärkte,
Seniorenfaschinge und von dem Seifenkistlrennen 1990. Für
die Errichtung der Prinzenwägen stellten die Familien Josef
und Wolfgang Grünberger immer ihre Werkstatt kostenlos zur
Verfügung, damit man auch an den nasskalten Wintertagen dort
die Gestaltung gut über die Bühne brachte. Wichtig waren
zu allen Zeiten natürlich auch die Hofmarschälle, die
als Zeremonienmeister durch die verschiedensten Programme führten.
Diese Aufgabe hatten in den vielen Jahrzehnten inne: Anton Pollner
sen., Erwin Folger, Kurt Beresowski, Bernd Grünberger und
seit einigen Jahren Walter Deinböck jun., der jetzt die Tollemogei-Raketen
vom Publikum zu Ehren der Aktiven zünden läßt.
Es war im Jahre 1990 als Präsident Eller eine Fotoausstellung
im Rathaus unter der Schirmherrschaft von Bgm. Radspieler eröffnen
konnte, bei der an über 1000 Fotos die Aktivitäten der
Faschingsgesellschaft den vielen Besuchern nochmals in Erinnerung
gebracht wurden. Wochenlang wurden in den Garagen der Fam. Toni
Pollner die Vorbereitungen für diese einmalige Präsentation
getroffen. Im Tollemogei-Kino konnte der Nachwuchs
aus Geisenhausen an alten Filmen, Dias, sowie an Videovorführungen
erfahren, was ihre Eltern und Großeltern in der Faschingszeit
für tolle Ideen in die Wirklichkeit umsetzten. Seit dieser
Zeit ist auch zum Faschingsbeginn am 11. 11. der Schwarz-Weiß-Ball
der Tollemogei fest in den Kalender geschrieben und
jedes Jahr ist dieser Faschingsauftakt ein gesellschaftlicher
Höhepunkt in unserem Markt. Mit auswärtigen Faschingsvereinen
pflegt man ebenfalls seit einigen Jahren sehr gute Beziehungen.
Hier ist vor allem die Verbindung mit der Narhalla, Vilsbiburg
und der Veitsgroma-Zunft aus Traunstein zu nennen.
Seit 1995 hat die Tollemogei eine eigene Tanzgruppe
die unter dem Namen TOLLESHOWGEI vor das Publikum
tritt und sogar eine Kindertanzgruppe, die sich als TOLLESHOWKIDS
immer wieder in die Herzen der Zuschauer tanzen. Um die weitere
Zukunft der Faschingsgesellschaft braucht man also keine Sorge
zu haben. Auch im nächsten Jahrhundert werden bestimmt viele
in der fünften Jahreszeit vom Bazillus Carnevalis
befallen und manche Ideen werden der jüngeren Generation
in der Faschingsgesellschaft einfallen, damit auch zukünftig
zur Karnevalszeit der Schlachtruf TOLLEMOGEI nicht
verstummen wird.